Biotechnologie – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

In den letzten 12 Monaten zählte der Sektor der Biotechnologiefonds zu den sich am besten entwickelten Sektoren im Bereich der Aktienfonds. Die gute Wertentwicklung des Sektors weckte das Interesse vieler Marktbeobachter und Investoren, wodurch das Thema noch populärer wurde. Doch Investitionen in den Bereich Biotechnologie sind nicht nur aufgrund der Wertentwicklung der letzten Monate interessant. Denn bei der Biotechnologie handelt es sich um einen der industriellen Megatrends in der Welt.

Während die Pharmaindustrie mit auslaufenden Patenten und einem entsprechenden Angebot an Generika um ihre Umsätze kämpft, könnte die Biotechbranche in der Lage sein Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson zu besiegen oder durch die Modifizierung von Pflanzen den Mangel an Nahrungsmitteln, der noch immer in vielen Ländern der Welt herrscht, zu bekämpfen. Sollte es einem oder mehreren Unternehmen gelingen einen dieser Blockbuster herzustellen, würde sich der Wert dieses Unternehmen sicherlich über Nacht vervielfachen. Doch es sind nicht nur die Blockbuster, die die Gewinne bei den Biotech-Unternehmen sprudeln lassen können. Auch im Vergleich relativ unspektakuläre Erfolge, wie zum Beispiel Fortschritte in der Diagnose von Krankheiten oder bei der Herstellung von Impfstoffen können sich für die Unternehmen auszahlen. Neben der medizinischen Anwendung können auch sogenannte Lifestyle-Produkte, die zum Beispiel einzelne Begleiterscheinungen des Alterungsprozesses mildern oder abstellen können, die Kassen der Unternehmen füllen.

Hoffnung und Wirklichkeit

Entsprechend der Möglichkeiten, die sich durch die Biotechnologie bieten, hat es schon des Öfteren einen Investmentboom in dieser Branche gegeben, der für viele Anleger, beim Platzen der Blase, zu hohen Verlusten im Portfolio führte. Einer der Gründe dafür ist darin zu sehen, dass viele der hochgejubelten Unternehmen noch keine Produkte am Markt haben und deren Bewertung sich nur an den Chancen der bisherigen Forschungen und Entwicklungen orientiert. Gerade im Bereich der Biotechnologie ist der Weg von der theoretischenForschung zum markttauglichen Produkt sehr weit und dementsprechend häufig kommt es vor, dass Unternehmen, trotz aussichtsreicher Tests, am Ende kein wirksames Produkt finden oder keine Zulassung für ihr Produkt erhalten. Aus diesem Grund kann zum Beispiel das Verpassen eines sogenannten Meilensteines im Zulassungsprozess zu massiven Kursverlusten führen, denn solange bis den Erwartungen echte Produkte gegenüberstehen, werden nur Hoffnungen gehandelt.

Ein Höhepunkt für die Biotechnologie war sicherlich der 26. Juni 2000, als Craig Venter, Gründer von Celera Genomics, gemeinsam mit Bill Clinton die Entschlüsselung des menschlichen Genoms verkündete. Der damalige Biotech-Boom war zu diesem Zeitpunktschon fast vorüber und viele Titel büßten mit dem Platzen der sogenannten Technologieblase einen Großteil ihres Wertes ein oder verschwanden sogar ganz von den Kurszetteln. Auch wenn die Entschlüsselung des menschlichen Genoms aus wissenschaftlicher Sicht ein großer Erfolg war, hat dieses Ereignis bis heute deutlich weniger zum Erfolg der Forschung und Entwicklung von zielgenauen Medikamenten beigetragen, als seinerzeit vermutet wurde.

Dennoch ist die Biotechnologie einer der Hoffnungsträger der Pharmaindustrie, da gerade in diesem Bereich Möglichkeiten bestehen wirklich neue Medikamente mit einem hohen Potential zu entwickeln und anschließend zu vermarkten. Da bei vielen der großen Pharmaunternehmen immer mehr Patente auslaufen, sind diese auf der Suche nach neuen Blockbustern, damit sie ihre Marktpositionen halten beziehungsweise neue Potentiale erschließen können. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die Pharmaunternehmen auf der Suche nach Biotechnologieunternehmen die über eine erfolgversprechende Produktpipeline verfügen, um sie –teilweise für sehr Aufschläge- zu übernehmen. Die so immer wieder entstehenden Übernahmephantasien sind einer der Kurstreiber für börsennotierte Biotechnologieunternehmen.

Möglichkeiten für Investoren

Um als Investor im Bereich der Biotechnologie erfolgreich sein zu können, bedarf es neben dem Wissen über die Beurteilung von Unternehmen und Branchen insbesondere Fachwissen aus dem jeweiligen Bereich, wie zum Beispiel der Medizin, in den man investieren möchte, da es nur so möglich ist, den Stand der Forschungen und das Potential des angestrebten Medikamentes richtig zu beurteilen. Denn nicht alles was sich in der Theorie gut anhört, wird am Ende auch erfolgreich umsetzbar oder in der angestrebten Zeit machbar sein. Dabei spielt der Faktor Zeit gerade bei jungen Biotechunternehmen eine nicht unerhebliche Rolle, da die Unternehmen noch nicht über Umsätze verfügen, müssen sie ihre Forschung in der Regel von externen Geldgebern finanzieren lassen. Das bedeutet: Schafft ein Unternehmen es nicht bis zum Ende seiner finanziellen Ressourcen entsprechende Resultate zu liefern, wird es schwierig in der nachfolgenden Finanzierungsrunde weiteres Kapital einzuwerben und das Unternehmen wird sehr wahrscheinlich vom Markt verschwinden.

Da der entsprechende Analyseaufwand und die benötigten Fachkenntnisse sehr hoch sind, sollten Anleger, die in Biotechnologie investieren wollen, für ihre Investitionen Investmentfonds nutzen. Denn mit diesen Produkten erreichen sie eine breite Streuung über die verschiedenen Bereiche der Biotechnologie und sind so vor dem sogenannten Klumpenrisiko, das Auftritt wenn eine Beteiligung an einem Unternehmen einen zu großen Anteil am Portfolio hat, bei dem Ausfalls eines Unternehmens geschützt.

Da die Fonds in diesem Segment über unterschiedlichste Investmentschwerpunkte verfügen, sollten Investoren bei der Fondsauswahl darauf zu achten, dass der von ihnen gewählte Fonds in alle Markkapitalisierungssegmente und in verschiedene Bereiche der Biotechnologie investiert. Hierzu ist es nötig, dass der Fonds in seinem monatlichen Reporting, zum Beispiel in Form eines sogenannten Factsheets, sowie in anderen Publikationen über eine hohe Transarenz verfügt und seine Anlagestrategie klar kommuniziert.

Zudem sollte der Fondsmanager durch eine überdurchschnittlich gute Wertentwicklung in der Vergangenheit bewiesen haben, das er in Lage war Chancen zu nutzen und auftretende Verlustphasen im Vergleich zu seinem Markt und seinen Wettbewerbern zu begrenzen.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

 

Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei der Thomson Reuters Firma Lipper

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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