China – das neue schwarze Loch der Finanzwelt?

Related Content Related Video White Papers Related Articles

China wurde lange Zeit als wichtiger Wachstumsmotor für die anderen Schwellenländer betrachtet, jedoch hat sich das Wirtschaftswachstum auf rund 5 Prozent abgekühlt. Bo Bejstrup Christensen, Chief Analyst bei Danske Invest, erkärt, warum man China dennoch nicht außer Acht lassen sollte.

Vor nicht allzu langer Zeit betrug die jährliche Wachstumsrate Chinas über 10 Prozent, der Autoabsatz boomte, Markenartikelhersteller etablierten sich und der Appetit auf Konsumgüter schien unersättlich. Mit anderen Worten, die restliche Welt profitierte immens von Chinas schnellem Wachstum.

Nun hat sich allerdings das Blatt gewendet und China verzeichnet eine schleppende Zunahme des Exportsektors, ein sehr schwaches Wachstum der industriellen Produktion sowie enttäuschenden Privatkonsum. Zudem sinken Immobilienverkäufe, Immobilienpreise und Bauaufträge stetig. Entsprechend wies die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal 2015 die schwächste Wachstumsrate seit der Finanzkrise im Jahr 2008 auf. Dazu trugen verschieden Faktoren bei: So war zum Beispiel die chinesische Regierung darauf fokussiert eine Immobilienmarktblase zu verhindern. Die Kreditbedingungen für Hauskäufer wurden verschärft und das Kreditwachstum eingedämmt. Dies zeigt, dass der Abschwung auf dem Immobilienmarkt auch selbst verschuldet ist. Zudem führte die neue politische Führung ein Antikorruptionsprogramm ein. Das beeinflusste unter anderem die Nachfrage nach Luxusgütern negativ.

Die Zinsrate ist in China noch immer relativ hoch. Die Staatswährung profitierte zudem vom erstarkenden Dollar. Dies zeigt, dass die chinesische Wirtschaft einer Folge negativer Schocks ausgesetzt war. Dabei war das Kreditwachstum auf 10-Jahressicht im ersten Quartal 2015 so gering wie seit zehn Jahren nicht mehr – nach einer langen Zeit mit jährlichen Raten von über 20 Prozent.

Die Wirtschaftspolitik setzt auf Lockerung

Das Wachstum ist mit 5 Prozent gegenwärtig so niedrig, dass es unter Chinas langfristigem potentiellen Niveau von, geschätzt, 6 Prozent liegt. Die Schwäche des Immobilienmarktes ist ein Hauptproblem, weshalb davon auszugehen ist, dass die Regierung sich darauf konzentrieren wird finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Deshalb ist eine weitere Lockerung der Wirtschaftsregulierungen zu erwarten, wobei eine Zinslockerung denkbar ist. Am relevantesten ist aber, dass der Zugang zu Hauskrediten schon erleichtert wurde und daher von einem moderaten Kreditwachstum auszugehen ist.

Diese Entwicklung macht China jedoch nicht zum schwarzen Loch der Finanzwelt: Da die chinesische Währung vermutlich nicht im gleichen Tempo aufwerten wird, kann mit einem wieder zunehmenden Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Allerdings ist anzunehmen, dass die Staatsbehörden weiterhin die Korruption bekämpfen werden und ein Überhitzen des Immobilienmarktes vermeiden wollen. Entsprechend gehen wir davon aus, dass das chinesische Wachstum sich bei 6 bis 6,5 Prozent einpendeln wird. Jedoch wird das Wachstum nicht das Ausmaß früherer Jahre annehmen; die Konsumgüterpreise werden vergangene Höhen nicht erreichen. Hersteller von Luxusgütern müssen sich auf eine veränderte Nachfrage aus China einstellen.

Die Erholung wird nur von kurzer Dauer sein

Durch das aktuelle  europäische und US-amerikanische Wachstum sind wir recht optimistisch gestimmt, dass China und die anderen Schwellenländer stimuliert werden. Zunehmendes Wachstum in China würde unserer Ansicht nach dazu führen, dass Schwellenländer-Aktien im Vergleich zu den letzten sechs Monaten bessere Renditen einfahren. Eine solche Erholung dürfte allerdings nur kurzfristiger Natur sein, da viele Schwellenländer langfristig noch immer verschiedenen Herausforderungen ausgesetzt sind. In einigen Teilen Asiens ist das Schuldenwachstum noch immer sehr hoch und mehrere lateinamerikanische Länder haben mit ihrem Staatshaushalt und Leistungsbilanzdefiziten zu kämpfen.

Daher werden einige Länder in Asien vom Wachstum der USA profitieren. Dieses Wachstum wird die US-Zentralbank aber auch dazu veranlassen den Leitzins am Ende des Jahres anzuheben. Steigende US-Zinsen könnten wiederum den Ländern Probleme bereiten, die auf Fremdkapital angewiesen sind. Zuletzt muss berücksichtigt werden, dass ein auf 8 Prozent gesteigertes Wirtschaftswachstum Chinas die Regierung mit Problemen konfrontiert, wie einer signifikanten Verteuerung der Immobilienpreise oder eines neuen Baubooms.

Es wird tatsächlich immer weniger sinnvoll, die Schwellenländer als eine Region zu betrachten. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind mittlerweile zu groß. Unsere Anlagephilosophie bleibt deshalb bestehen. Anleger sollten allerdings bei Investments in Schwellenländern vorsichtig vorgehen und Einzeltitel sorgfältig auswählen – das gilt auch für chinesische Aktien.“

preloader
Close Window
View the Magazine





You need to fill all required fields!