Das griechische Drama geht in die Verlängerung

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David Zahn (abgebildet), Leiter des Europäischen Anleihenteams und Vize Präsident Fixed Income bei der Franklin TempletonGruppe schildert seine Sicht des dramatischen griechischen Schuldenepos und seine Meinung zu dem ordnungsgemäßen Beginn des quantitativen Lockerungsprogramms der Europäischen Zentralbank. 

Die Schuldenprobleme Griechenlands sind wieder einmal ins Rampenlicht gerückt, denn Zahlungsfristen rücken näher und Verhandlungen mit Gläubigern dauern an. Das mit Finanzproblemen ringende Land und Syriza, die linksradikale Regierungspartei, sind wieder in den Schlagzeilen und den Köpfen der Anleger. Gleichzeitig gibt es zahllose Spekulationen darüber, ob Griechenland die Eurozone verlassen wird.

Während das griechische Schuldendrama sich fortsetzt, orakeln manche Beobachter, das Land könnte seinen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 315 Mrd. Euro nicht nachkommen, aus der Eurozone ausscheiden – oder beides.

Ein Abschied Griechenlands aus dem Währungsblock wäre meiner Meinung nach wahrscheinlich eher von emotionaler Relevanz und nicht so sehr wirtschaftliche Tragödie für die Region. Wie ich die Dinge sehe, ist Griechenland weitgehend ein griechisches Problem. Ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone würde der griechischen Wirtschaft voraussichtlich sehr schaden.

Ich denke aber, es besteht Spielraum für einen Kompromiss zwischen Griechenland und seinen Gläubigern, denn der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat gesagt, sein Land werde allen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Der griechische Finanzminister hielt dieses Versprechen am 9. April, als Griechenland eine Rückzahlung in Höhe von 460 Mio. Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) leistete.

Die griechische Regierung musste die Zahlungsfrist einhalten, um weitere Verhandlungen mit dem IWF und den Finanzministern der Eurozone über ein weiteres Rettungspaket führen zu können. Denn nur dadurch wäre – zumindest vorübergehend – die Zahlungsfähigkeit des Landes gewährleistet. Während die griechische Regierung zusätzliche Mittel und Zugeständnisse bei den bestehenden Krediten fordert, drängen der IWF und die Vertreter der Eurozone auf Kosteneinsparungen und Steuererhöhungen.

Die griechische Regierung hofft, im Rahmen eines Treffens mit den Finanzministern der Eurozone am 24. April eine Einigung zu erzielen. Sollten Vertreter der Regierungspartei Syriza Bereitschaft zeigen und tatsächlich verhandeln, denke ich, dass ihre Gläubiger gerne bereit sein werden ein vernünftiges Gespräch zu führen. Meiner Ansicht nach werden sie wahrscheinlich aber nicht zu einem Schuldenschnitt bereit sein.

Falls Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und/oder die Eurozone verlassen sollte, wird sich das meiner Meinung nach nicht langfristig auf die Anleihenmärkte der Eurozone auswirken. Allerdings erwarten wir im Verlauf der Entwicklungen eine gewisse kurzfristige Volatilität.

Anders als noch vor ein paar Jahren ist Griechenland mit dem größten Teil seiner Staatsschulden in Höhe von 315 Mrd. Euro bei öffentlichen Einrichtungen verschuldet. Wir gehen daher davon aus, dass evtl. Konsequenzen sich primär auf öffentliche Institutionen wie den IWF und die Europäische Zentralbank (EZB) auswirken werden.

Geht die Party weiter?

Obwohl ein potenzieller Abgang Griechenlands von der Eurozonen-Bühne meiner Meinung nach vermutlich keine langfristigen Auswirkungen auf andere Länder der Region haben wird, ist der politische Einfluss des Landes seit dem Wahlsieg der Regierungspartei Syriza früher im Jahr gestiegen.

Syriza ist die erste extremistische Partei in Europa seit vielen Jahren, die sagt, sie wolle das, was die vorherige Regierung im Land getan hat, komplett umkehren. Syriza hat beispielsweise mit dem Versprechen Wahlkampf betrieben, sie werde die Sparpolitik der vorherigen Regierung beenden. O

bwohl Syriza weit links angesiedelt ist, scheint ihr Wahlsieg kurzfristig extremistischen Parteien an beiden Enden des politischen Spektrums in Ländern wie Frankreich und Spanien einen Schub verliehen zu haben.

Seit ihrem Wahlsieg war Syriza jedoch nicht dazu in der Lage alles zu halten, was sie versprochen hatte, wie beispielsweise die Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen und die Abschreibung eines großen Teils der Schulden des Landes. Stattdessen war Syriza gezwungen, Rückzieher zu machen und das zu tun, was auch die vorherige griechische Regierung getan hat.

Als Folge dessen konnten wir beobachten, dass die Unterstützung einiger Extremparteien in der Region in letzter Zeit zurückgegangen ist. In Frankreich konnte beispielsweise Marine Le Pens antieuropäische Rechtspartei Front National bei den Lokalwahlen vergangenen Monat respektable 26% gewinnen. Die Partei erzielte aber nicht, wie prognostiziert worden war, das beste Ergebnis. In Spanien verlor die gegen die Sparpolitik gerichtete Podemos (Wir können) Partei in Umfragen nachdem sie mehrere Monate lang hohe Ergebnisse erzielt hatte.

Falls die Syriza Partei umsetzen sollte, was sie versprochen hat, dürfte dies meiner Meinung nach sehr zur Popularität extremistischer Parteien in ganz Europa beitragen. Wenn die Syriza-Vertreter sich aber von ihren Versprechungen abwenden müssen und nicht annähernd so viel schaffen, bedeutet das meiner Meinung nach möglicherweise, dass wir sinkende Werte für extremistische Parteien in der Eurozone erleben dürften.

QE-Premiere

Anders als das griechische Drama ist das mit Spannung erwartete quantitative Lockerungsprogramm (QE) der EZB mit einem Volumen von 1,1 Bio. Euro letzten Monat recht ruhig gestartet. Die EZB gab bekannt, sie läge bei den versprochenen monatlichen Ankäufen in Höhe von 60 Mrd. Euro vor dem Zeitplan. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass die EZB zumindest während der ersten Monate genau 60 Mrd. Euro ausgibt, denn sie muss den Erfolg des QE-Programms sicherstellen.

Erfreulicherweise scheint kein Mangel an Anleihen zu bestehen, wie zunächst befürchtet worden war nachdem einige Inhaber von Staatsanleihen geäußert hatten, dass sie sie nicht verkaufen würden. Der EZB fiel es dann aber nicht schwer, Anleihen im Rahmen ihres QE-Programms anzukaufen, und derzeit sorgt dies auch nicht für größere Marktverzerrungen. Meiner Meinung nach geht das QE-Programm der EZB – das gerade einmal einen Monat alt ist – bisher in die richtige Richtung.

Allerdings spielen die QE-Maßnahmen nur eine von mehreren Rollen für die Erholung in der Eurozone. Meiner Meinung nach sind noch weitere Reformen auf Regierungsebene erforderlich sowie Strukturreformen in den Arbeitsmärkten. Ich denke, Länder der Eurozone sollten auch einige ihrer Kontrollbeschränkungen aufheben, um ihre Volkswirtschaften freier zu gestalten. Das würde das Wachstum fördern, denn Europa verfügt derzeit über kein hohes Wachstumspotenzial. Das Wachstum ist in Europa recht niedrig, obwohl es inzwischen etwas besser ist als im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Meiner Meinung nach gewähren die QE-Maßnahmen den Ländern eine Atempause, die Gelegenheit geben dürfte, den Weg für Reformen zu ebnen. Das wird aber Zeit in Anspruch nehmen.

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