Diversifikation durch weltweite Aktienfonds

Weltweit angelegte Aktienfonds bieten laut Detlef Glow, Leiter der Research Abteilung bei Thomson Reuters Lipper eine interessante Diversifikationsmöglichkeit. 

In der Anlageberatung wird häufig davon gesprochen, dass Anleger ihr Portfolio möglichst breit streuen sollen. Legt man Aktienanlagen zugrunde erscheint ein weltweit anlegender Aktienfonds die richtige Wahl zu sein. Diese Art von offenen Investmentfonds unterliegt normalerweise keinen Beschränkungen hinsichtlich der regionalen Aufteilung des Fondsvermögens. Hierbei ist jedoch zu beachten, das sich ein Großteil der Fonds mit dem MSCI Welt Index vergleicht und sich aus diesem Grund auch bei der Vermögensaufteilung an diesem Index orientiert. Auch wenn der Schwerpunkt der Anlage dadurch oftmals in den USA liegt, ist dese Ausrichtung  aber im Bezug auf die breite Streuung des Fondsvermögens nicht als negativ zu beurteilen, da der MSCI Welt Index aus rund 1.600 Einzeltiteln besteht und alle wichtigen Anlageregionen und –sektoren berücksichtigt.

Mittelzuflüsse bestätigen das Anlegerinteresse

Das diese Fonds tatsächlich bei den Anlegern beliebt sind, zeigt sich in den Absatzzahlen der Fondsanbieter. Globale Aktienfonds (Equity Global und Equity Global Income) konnten auf europäischer Ebene in den ersten zehn Monaten des Jahres 2015 rund 7,5 Milliarden Euro an Mittelzuflüssen verzeichnen und belegen damit den 16. Platz unter den 354 Anlagekategorien in Europa.

Die 20 Anlagesektoren mit den höchsten Mittelzuflüssen in Europa (01.01.2015 – 30.10.2015) in Milliarden Euro

15-11-26 Grafik 1

Quelle: Thomson Reuters Lipper

Bei dieser Statistik ist zu beachten, dass unter der Rubrik Equity Global zwei Anlagekategorien zusammengefasst wurden. Dies ist bei dieser Betrachtung notwendig, da es ansonsten aufgrund der geschäftspolitischen Entscheidung eines einzelnen Anbieters (Union Investment) zu einer starken Verzerrung der Daten kommen würde.

Managerrisiko berücksichtigen

Ein Risiko das insbesondere bei der langfristigen Kapitalanlage nicht unberücksichtigt bleiben sollte, ist das sogenannte Managerrisiko. Also zum Beispiel das Risiko das ein Fondsmanager der in der Vergangenheit gute Leistungen bei der Verwaltung eines Fonds erzielen konnte, sein Mandat abgibt. Wer sich bei einem Investment in einen globalen Aktienfonds nicht ständig um die Kontrolle des Produktes kümmern möchte, sollte darauf achten, dass der gewählte Fonds nicht von einem einzelnen (Star-) Manager, sondern von einem Portfoliomanagementteam verwaltet wird, da so das Managerrisiko, bezogen auf die Person des Fondsmanagers, verringert wird. In diesem Zusammenhang sollten Anleger auch darüber nachdenken, ob ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) eine Alternative für sie darstellt, denn da ein solcher Fonds nicht aktiv gemanagt wird, besteht hier gerade bei der langfristigen Geldanlage kein Managerrisiko.

Anlagestil als Auswahlkriterium

Ein weiterer wichtiger Punkt, den es bei der Fondsauswahl zu berücksichtigen gilt, ist die Art wie der entsprechende Fondsmanager Aktien auswählt. Hier unterscheidet man zwei grundlegende Ansätze. Der eine ist die sogenannte wertorientierte Aktienauswahl. Bei diesem sogenannten Value Ansatz werden Aktien ausgewählt, die nach fundamentalen Kriterien (Kurs-/Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite, etc.) als unterbewertet gelten. Der zweite Weg ist die Aktienauswahl nach sogenannten Wachstumskriterien. Bei diesem Ansatz versucht der Portfoliomanager Dividendentitel zu kaufen, bei denen ihr zukünftiges Ertragspotenzial, nicht im heutigen Preis berücksichtigt ist.  Neben diesen beiden grundsätzlichen Investitionsarten, gibt es auch Mischformen, bei denen der Fondsmanager versucht unterbewertete Aktien mit einem hohen Wachstumspotential zu finden. Im Hinblick auf eine langfristige Kapitalanlage erscheinen die gemischten Ansätze am erfolgversprechensten zu sein, da diese ihre theoretischen Stärken in allen Marktphasen ausspielen können. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Stärken der Aktienauswahl, nach klar definierten fundamentalen Kriterien, in verschiedenen Marktphasen zur Erzielung von Mehrerträgen genutzt werden können.

Megatrends als Antrieb für Kurszuwächse?

Zudem sollten Anleger darauf achten, das sich der Fondsmanager bei der Einzeltitelauswahl, neben kurzfristigen Markttrends, auch an den langfristigen Megatrends, wie zum Beispiel dem demographischen Wandel, dem wachsenden Wohlstand in Asien oder dem Klimawandel orientiert. Denn gerade diesen langfristigen Anlagethemen werden in unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft immer wieder zu Wachstumsschüben führen, von denen Investoren profitieren können.

Bei der Fondsanalyse auf Qualität achten

Leider gibt es auch bei weltweit anlegenden Aktienfonds keine Methode die Gewinner von morgen zu bestimmen, da die Favoriten von morgen erst im Nachhinein, also übermorgen, bekannt sind. Allerdings hilft die sorgfältige Analyse der Anlagephilosophie eines Fonds dabei die Produkte zu finden, die aufgrund ihrer Orientierung auf fundamentale Kriterien bei der Aktienauswahl und einer zumindest teilweisen Ausrichtung auf die zukünftigen Megatrends langfristig erfolgversprechend erscheinen. Zudem sollte der Fonds(manager) anhand der Wertentwicklung gezeigt haben, das er inder Vergangenheit in der Lage war überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen.

Da aber auch eine sehr sorgfältig ausgeführte Analyse nicht verhindern kann, dass ein Fonds seine Erfolge aus der Vergangenheit in der Zukunft nicht fortsetzen kann, müssen auch die Ergebnisse eines globalen Aktienfonds regelmäßig kontrolliert werden. Trotz dieser Einschränkungen sind weltweit investierende Aktienfonds ein wichtiger Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau und sollten somit ein entsprechend hohes Gewicht in den Portfolios der Anleger haben.

Zudem gilt wie immer der Grundsatz das Investoren vor jeder Kaufentscheidung sowohl den Verkaufsprospekt, als auch sonstige Informationsmaterialien genau lesen sollten, um das Rendite/Risiko Profil der einzelnen Produkte einschätzen zu können.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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