ETF Analyse – Am Anfang steht der Index

Im sechsten Teil seiner ETF Serie argumentiert Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei der Thomson Reuters Firma Lipper, dass Investoren sich vor der Auswahl von ETFs ausreichend mit der Indexmethodologie auseinandersetzen sollten. 

Wenn es um die Auswahl von  börsengehandelten Indexfonds (ETFs) geht, wird der Schwerpunkt der Analyse, neben der Exaktheit der Indexnachbildung, häufig auf die Frage nach der Art der Indexnachbildung, sowie die mit dem Fonds verbundenen Kosten, gelegt.

Meiner Ansicht nach muss die Analyse, bei der Auswahl eines geeigneten ETFs, aber einen Schritt vorher beginnen. Denn der Indexfonds bildet letztlich nur passiv einen Index ab, wodurch die Wertentwicklung des Fonds und dessen Risikoprofil im Wesentlichen durch die Zusammensetzung des Index bestimmt wird. Somit muss zu allererst das von dem Index zu erwartende Rendite/Risiko-Profil zum Anleger passen, bevor dieser sich für den Mantel, in dem er diesen Index kauft, entscheidet.

Neben der Analyse des Rendite-/Risikoprofils müssen Anleger auch immer die Liquidität der in dem Index gehaltenen Werte berücksichtigen. Denn gerade das Liquiditätsrisiko wird häufig unterschätzt, obwohl es erhebliche Auswirkungen für den Anleger haben kann.

Indexanalyse vor Produktanalyse

Dass die Indexanalyse vor der Produktanalyse stehen sollte, ergibt sich meiner Ansicht nach aus der Tatsache, dass es nicht für alle Indizes auch verschiedene Produkte gibt. Somit könnte es passieren, dass ein Anleger, der sich zum Beispiel im Vorfeld bereits auf eine Replikationsmethode oder ein Instrument  (ETF, Future, Indexfonds, etc.) festlegt, nicht in den für seine Zwecke am besten geeigneten Index investieren kann, da es kein entsprechendes Investmentvehikel gibt.

Um diese Analysen durchführen zu können, müssen sich Investoren insbesondere bei komplexen Strategieindizes, aber auch bei traditionellen, nach der Marktkapitalisierung der Komponenten gewichteten Indizes, mit der Methodologie der Indexzusammensetzung, den Vorgaben hinsichtlich der minimalen oder maximalen Gewichtung einzelner Sektoren oder Länder, sowie den Regeln für den Austausch einzelner Komponenten, auseinandersetzen, um das derzeitige, wie aber auch das zukünftige Rendite/Risiko-Profil des Index einschätzen zu können. Hierbei gilt die Regel: Je komplexer der Index, desto intensiver sollten sich Investoren mit der Indexmethodologie auseinandersetzen.

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