ETFs im Angesicht des Brexit

Nachdem sich die Briten in der vergangen Woche dazu entschlossen haben die Europäische Union zu verlassen, fragen sich viele Anleger welche Auswirkungen dies auf ihre Investments haben könnte.

Im Bereich der börsengehandelten Indexfonds (ETFs) dürfte der sogenannte Brexit für die Anleger im deutschsprachigem Raum keine Auswirkungen haben, denn die hier vertriebenen ETFs sind in der Regel in Irland und Luxemburg oder in einem anderen Land der europäischen Union domiziliert, wodurch sich keine Änderungen ergeben sollten.

Denn auch wenn diese Produkte von angelsächsischen Anbietern stammen, unterliegen sie nach einem vollzogenem Brexit weiter der EU Regulierung. Hierbei ist anzumerken, das auch bei den meisten kontinental-europäischen Anbietern zumindest Teile der ETF-Teams in London sitzen, wodurch auch diese von den möglichen Folgen des Brexit betroffen sein können.

Allerdings müssen die Anbieter gewillt sein, die stetig steigenden Anforderungen aus Regulierungen wie MiFiD 2 oder PRIPS umzusetzen um ihre Produkte auch weiterhin in der EU anbieten zu können. Aus meiner Sicht besteht kein Zweifel daran, dass die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds dies tun werden. Schließlich ist die EU ein wichtiger Markt für sie. Zudem sind die Anbieter, als international tätige Unternehmen, in der Regel daran gewöhnt, die Anforderungen einzelner Länder/Regionen zu erfüllen, um diese Märkte für sich zu erschließen.

Da es zur Zeit noch völlig unklar ist, wie die Regulierung in Großbritannien aussehen wird und ob diese Regularien dann mit denen der EU im Einklang stehen, kann derzeit niemand sagen ob und in wieweit, die Anbieter sich darauf einstellen müssen, ihre Produkte und gewisse Prozesse doppelt vorzuhalten, um die Anforderungen beider Seiten zu erfüllen.

Entsprechend haben auch alle Anbieter die ich im Rahmen einer Umfrage zu diesem Thema kontaktiert habe, gesagt, dass sie die Diskussionen im Bezug auf den Fondsvertrieb sehr genau anschauen, um dann entsprechend reagieren zu können. Zudem geht keiner der befragten Anbieter davon aus, das es das Ziel sein wird, den grenzüberschreitenden Fondsvertrieb zu unterbinden.

Somit scheint der Brexit für den kontinental-europäischen ETF-Anleger keine Auswirkungen hinsichtlich der Produktvielfalt zu haben. Wie es jedoch in der anderen Richtung  aussehen wird, bleibt abzuwarten. Ich persönlich sehe hier eher eine Herausforderung für die Anbieter von aktiv gemanagten Fonds, denn hier gibt es in der Tat einige Anbieter, die derzeit noch ausschließlich GB domizierte Fonds in der EU verkaufen. Ob dies so bleiben kann, ist abzuwarten.

Auch wenn es derzeit so aussieht, als ob sich für die ETF-Anleger in der europäischen Union durch den Brexit nichts ändern wird, sollten diese die Entwicklungen auf Seiten der Marktregulierer mitverfolgen und ihr Portfolio gegebenenfalls anpassen.

 

Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei Thomson Reuters Lipper 

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