Europa – eine unterschätzte Anlageregion 

Dividenden und diverse Anlageuniversen machen Europa zu einer zunehmend attraktiven Investition,laut Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei Thomson Reuters Lipper. 

Viele Anleger übergehen Europa als Anlageregion und untergewichten diese wichtige Wirtschaftsregion dementsprechend in ihren Portfolios.  Während  Amerika und die großen Volkswirtschaften Asiens im Allgemeinen als Konjunkturlokomotiven angesehen werden, gilt Europa – „die alte Welt“ – oftmals als Anlageregion mit eingeschränktem Ertragspotential. Schließlich hat Europa und insbesondere auch die Eurozone immer wieder mit strukturellen Problemen zu kämpfen, was potenzielle Anleger verunsichert und so von Investitionen in diese Region abhält. Allerdings hat zum Beispiel das klare Bekenntnis der Politik zum Erhalt der Eurozone dazu geführt, das sowohl Europa, wie aber auch der Euro, für immer mehr Investoren interessant werden. Zudem gibt es in Europa  viele überaus erfolgreiche Unternehmen, die in ihrem Bereich oftmals Weltmarktführer sind. Der Erfolg vieler europäischer  Unternehmen zeigt sich unter anderem in der Höhe der Dividendenzahlungen, die an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Investoren kehren nach Europa zurück

Die hohen Dividenden, die von europäischen Unternehmen gezahlt werden, könnten einer der Gründe sein, warum Aktien aus Europa, in den ersten 9 Monaten des Jahres, die beliebste Anlageklasse der europäischen Anleger waren, während die Lieblinge des Vorjahres – Aktienfonds USA – die höchsten Abflüsse zu verzeichnen hatten. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit der Aktien aus der alten Welt ist sicherlich ihre relative Attraktivität, denn während die Bewertungen für Aktien aus den USA schon teilweise recht ambitioniert erscheinen, wirken viele europäische Werte immer noch sehr moderat bewertet.

Grafik 1: Lipper Vergleichsgruppen mit den höchsten Mittelzu- und –abflüssen in  Millionen Euro (01.01.2015 – 30.09.2015)

15-11-19 Sector Flows

Quelle: Thomson Reuters Lipper

Eine Region – unterschiedliche Anlageuniversen

Die große Anzahl von Investitionsmöglichkeiten erschwert allerdings gleichzeitig die Auswahl eines geeigneten Fonds. Somit ist gerade bei der Analyse von Fonds, die in die Anlageregion Europa investieren entscheidend, die Produkte anhand ihres Anlageschwerpunktes möglichst exakt in unterschiedliche Vergleichsgruppen aufzuteilen. Nur so kann die Vergleichbarkeit der Produkte und damit eine fundierte Entscheidungsfindung sichergestellt werden.

Investmentfonds, die in europäische Aktien investieren, unterscheiden sich nicht nur aufgrund ihrer Art (aktiv/passiv), ihres Anlagestils (Value/Growth/Blend) oder der Größe der Unternehmen (Large-, Mid-, Small-Caps) in die sie investieren. Das wichtigste  Unterscheidungsmerkmal der einzelnen Fonds sind die Länder, in die investiert wird. Eine ganze Reihe von Fonds investiert zum Beispiel nur in Aktien aus der Eurozone, während andere Fonds in ganz Europa investieren und so auch von der Wertentwicklung der Aktien aus Ländern wie Großbritannien, Schweden oder der Schweiz partizipieren.

Einige Anbieter haben das Anlageuniversum ihrer Fonds noch um die aufstrebenden Volkswirtschaften aus Osteuropa erweitert. Die Vielschichtigkeit der Anlageregion wird zudem durch die unterschiedlichen Ansätze, nach denen Fondsmanager, die in Europa investieren ihre Aktien auswählen, noch vergrößert. Wie bei allen Aktienfonds, ist auch bei Aktienfonds die in Europa investieren die Titelauswahl durch den Fondsmanager entscheidend für den Anlageerfolg der Anleger.

Einsatz im Portfolio

Aufgrund der Vielzahl von Anlagemöglichkeiten, können Aktienfonds die in Europa investieren nicht nur in Portfolios die nach einem regionalen Ansatz aufgebaut sind eingesetzt werden, sondern stellen zudem, aufgrund der vielfältigen Anlagekonzepte der angebotenen Fonds, auch eine attraktive Beimischung zu weltweit anlegenden Fonds dar. Können Anleger mit ihnen doch gezielt einen Schwerpunkt in dieser Anlageregion bilden oder ihr Portfolio durch den gewählten Investmentansatz breiter streuen.

Wie bei allen Kapitalmarktprodukten gibt es auch bei  Fonds, die in europäische Aktien investieren, keine Methode die Gewinner von morgen zu bestimmen, da die Favoriten von morgen erst im Nachhinein, also übermorgen, bekannt sind. Allerdings hilft die sorgfältige Analyse der Anlagephilosophie eines Fonds dabei die Produkte zu finden, die aufgrund ihrer Ausrichtung und des Anlageschwerpunktes zu dem jeweiligen Anlagezweck passen und somit für den Investor  langfristig erfolgversprechend erscheinen. Zudem müssen Investoren vor jeder Kaufentscheidung sowohl den Verkaufsprospekt, als auch sonstige Informationsmaterialien genau lesen, um das Risiko der einzelnen Produkte einschätzen zu können.

Da auch eine sehr sorgfältig ausgeführte Analyse nicht verhindern kann, dass ein Fonds ausgewählt wurde, der seine Erfolge aus der Vergangenheit in der Zukunft nicht fortsetzen kann, müssen auch die Ergebnisse der Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa regelmäßig kontrolliert werden. Trotz dieser Einschränkungen sind Aktienfonds, die in europäische Aktien investieren, ein wichtiger Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau und sollten entsprechend der Ausrichtung ihres Portfolios von den Anlegern genutzt werden.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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