EZB geht in eine neue geldpolitische Runde

Ulrike Kastens, Volkswirtin bei Sal Oppenheim analysiert die Aktionsparameter der geplanten Erweiterung des EZB Ankaufprogrammes. 

SENKUNG DES EINLANGENZINSSATZES UND VERLÄNGERUNG DES ANKAUFPROGRAMMS ZU ERWARTEN
Die EZB ist immer für einen Paukenschlag gut. Auf der gestrigen Sitzung hat die EZB die Tür für weitere geldpolitische Lockerungen weit aufgemacht, und zwar konkret für den Monat Dezember. Es soll dann eine Neubewertung der geldpolitischen Ausrichtung erfolgen, wobei alle geldpolitischen Instrumente auf dem Tisch liegen. Mario Draghi betonte – ähnlich wie die US-Notenbank vor wenigen Wochen – vor allem die Sorgen über die Wachstumsperspektiven in den Schwellenländern, die Abwärtsrisiken für den Konjunkturausblick und die Inflationsentwicklung in der Eurozone. Bereits im September hat die EZB ihre Projektionen für die Inflationsrate der kommenden zwei Jahre nach unten revidiert. Doch die Risiken aus den Schwellenländern bringen die Gefahr mit sich, dass es länger dauern kann, bis die Infla tionsrate wieder in Richtung des EZB-Inflationsziels von „unter, aber nahe 2 %“ unterwegs sein wird. Damit käme es zu einer zeitlich noch ausgeprägteren Verfehlung des Mandats. Bereits Anfang 2015 war die Sorge vor einer unerwünscht langen Zielverfehlung der Anlass, in das QE-Programm einzusteigen.

WAS PASSIERT IM DEZEMBER?
Schon mit Auflage des quantitativen Lockerungsprogramms haben wir betont, dass es keinem expliziten Verfallsdatum unterliegt, sondern datenabhängig gestaltet ist. Spätestens die erneute Abwärtsrevision der Projektionen im September hat unseres Erachtens die EZB unter Handlungsdruck gesetzt, das mögliche Programmende im September 2016 zu überdenken. Wie auch in den vergangenen Monaten hat Mario Draghi auch gestern betont, dass alle Elemente des Wertpapierankaufprogramms – also monatliches Ankaufsvolumen, die Wertpapierarten und die Dauer – als Aktionsparameter in Frage kommen. Dabei erscheint uns eine isolierte Erhöhung des monatlichen Ankaufprogramms weniger wahrscheinlich als seine Verlängerung. Würde die EZB ab Januar bis September 2016 die Ankaufvolumina um 10 Mrd. Euro pro Monat aufstocken, ergäbe sich daraus eine Bilanzausweitung von insgesamt 90 Mrd. Euro.

Eine Ausdehnung der Laufzeit des QE-Programms in aktueller Ausprägung um 12 Monate hätte eine Erhöhung der EZBBilanz um 720 Mrd. Euro zur Folge. Um denselben Effekt mit einer Aufstockung der monatlichen Läufe zu erzielen, müsste sie diese mehr als verdoppeln. Dies erscheint uns vor dem Hintergrund der Liquiditätsverfassung der Rentenmärkte im aktuellen Niedrigzinsumfeld und auch im Hinblick auf andere technische Aspekte schwer durchführbar. Wir erwarten, dass wenn sich die EZB zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung entschließt, Nägel mit Köpfen gemacht werden und mit einer längerfristigen Orientierung und einem größeren Volumen zu rechnen ist. Daher erwarten wir eine Verlängerung des Ankaufprogramms bis mindestens Mitte 2017. Dies würde bei dem derzeitigen Ankaufvolumen eine Ankaufsumme von mindestens 500 Mrd. Euro beinhalten. Ein solcher Schritt würde den Marktteilnehmern aber auch Investoren Sicherheit geben, dass die Geldpolitik auf absehbare Zeit sehr expansiv bleiben wird. Damit eröffnet en sich Kanäle, die sich nochmals dämpfend auf das ohnehin schon sehr niedrige Zinsniveau auswirken könnten. Sie sind unseres Erachtens vor allem nachhaltiger als eine alleinige Aufstockung der Ankaufvolumina ohne Programmverlängerung. Denkbar ist für uns, dass der
Impuls einer zeitlichen Streckung des Programms noch durch eine moderate Erhöhung der monatlichen Aufkäufe verstärkt wird.

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