Ist das Ende der Rallye am britischen Anleihemarkt in Sicht?

Die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, ist noch jung. Viele Anleger fragen sich derzeit, welche Konsequenzen das Brexit-Votum für den Anleihemarkt haben könnte.

Nachwirkungen des Brexit spürbar
Nach dem Referendum schwankten britische Anleihen aufgrund von Spekulationen hinsichtlich weiterer Lockerungen der Geldpolitik durch die Bank of England. „Wir sind der Meinung, dass diese Tatsache das Ende der Anleihen-Rallye beschleunigt“, erklärt Tim Haywood. Dem Experten zufolge seien gerade die Anleihen am langen Ende des Marktes in einer merkwürdigen Phase. „Wir haben gerade erst eine doppel-te Zurückstufung erlebt.

An Weihnachten wird die Inflation dieses Jahr bei zwei Prozent liegen und es gibt eine realistische Möglichkeit, dass wir an einem bestimmten Punkt in den kommenden zehn Jahren einen Inflationsschock erleiden werden, auch wenn uns ein wirtschaftlicher Rückgang bereits vorher treffen könn-te“, so Haywood. Angesichts dieser Aussichten sei die derzeitige Rendite von 1,6 Prozent für britische Staatsanleihen (Gilts) mit einer 30-jährigen Laufzeit äusserst niedrig. Staaten mit ähnlich geringen Rendi-ten hätten entweder eine bessere Haushaltslage oder geringere Zinssätze.

Auch in Grossbritannien sind Negativzinsen wahrscheinlich
Haywood sieht noch einen weiteren Effekt des EU-Austritts von Grossbritannien am Horizont: „Wie der Präsident der Bank of England bereits warnte, könnten die kurzfristigen Zinsen im Spätsommer gesenkt werden. Es könnte sein, dass wir in Grossbritannien für einige Zeit negative Zinssätze haben werden.“ Die Kurse am langen Ende der Zinskurve seien mit Blick auf die Schuldendynamik überbewertet.

Vor diesem Hintergrund könnten Staatsanleihen für ausländische Anleger gegenüber anderen Investments oder Direktinvestitionen an Attraktivität verlieren. „Die Anleger werden die potentiellen Erträge berechnen, die sie erhalten können. Zudem werden sie mögliche Währungsrisiken ins Kalkül ziehen, für den Fall, dass Investitionen nicht währungsgesichert sind, beziehungsweise Zinsdifferenzen, wenn die Anlagen wäh-rungsgesichert sind“, sagt Haywood. Investoren bräuchten eine gewisse Investitionssicherheit, die sie aber bei einer sehr geringen Rendite für Gilts mit einer Laufzeit von 30 Jahren nicht erhielten. Man müsse in Bezug auf das britische Pfund schon sehr optimistisch sein, um diese Rendite in Kombination mit dem Währungsrisiko als gute Wertanlage einzustufen.

Aus diesem Grund hält der Experte ein zukünftiges Szenario für wahrscheinlich, in welchem die Renditen für fünf- bis zehnjährige Anleihen Jahre möglicherweise auf einem ähnlichen Niveau bleiben, während sie bei längeren Laufzeiten tendenziell eher steigen und bei kürzeren Laufzeiten fallen könnten.

Tim Haywood, Investment Director für Absolute-Return-Strategien bei GAM

preloader
Close Window
View the Magazine





You need to fill all required fields!