LGIM: Hausse wird anhalten

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Laut Lars Kreckel, Aktienstratege des britischen Vermögensverwalters Legal & General Investment Management (LGIM) sind Befürchtungen über ein Ende der langjährigen Hausse unbegründet.

Trotz der vergleichsweise hohen Bewertungen, vor allem von US-Aktien und einer Reihe von Belastungs- und Risikofaktoren, spricht aus fundamentaler Sicht nichts dafür, dass der nunmehr sechs Jahre andauernde Kursaufschwung an den internationalen Aktienmärkten vor einem Ende steht. Unsere Analysen haben ergeben, dass Aktien historisch gesehen die höchsten risikoadjustierten Erträge in konjunkturellen Aufschwungphasen abwerfen – und die schlechtesten, wenn die Wirtschaft schrumpft.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass Bullenmärkte vor allem dann enden, wenn die Wirtschaft innerhalb der darauffolgenden Monate in eine Rezession rutscht. Intuitiv scheint es also einen Zusammenhang zwischen Aktienerträgen und Konjunkturzyklen zu geben. Aber es sollte betont werden, dass es vielmehr die Unternehmensgewinne sind, die die wirkliche Verbindung darstellen. Ein Blick in die Wirtschaftshistorie zeigt, dass alle negativen Ereignisse, die einen starken Rückgang zukünftiger Erträge bewirken, unmittelbar zu einer Neubewertung und Preiskorrektur bei Aktien geführt haben. Dagegen lassen sich aus anderen Faktoren, die die LGIM-Experten untersucht haben – die Dauer einer Haussephase oder die Höhe der Aktienbewertungen – keine Rückschlüsse auf einen Trendwechsel an den Aktienbörsen ziehen.

Genauso wichtig wie das Ende eines Bullenmarktes richtig einzuschätzen ist es für Anleger allerdings auch zu vermeiden, dieses Ende vorzeitig zu prognostizieren“, beschreibt Kreckel ein Grunddilemma. Dem LGIM-Experten zufolge zeigt sich bei einer genauen Betrachtung rezessiver Phasen, dass die Aktienkurse den Konjunktureinbruch im Schnitt etwa sechs Monate vorher antizipieren und die Kurse einbrechen. Unter diesem Gesichtspunkt raten wir Investoren, umso vorsichtiger zu werden, je länger die Phase eines Konjunkturaufschwungs andauert.

Das heißt aber auch, dass es wichtig ist, sich nicht von Themen und Ereignissen in der eigenen Einschätzung der Konjunkturentwicklung verunsichern oder negativ beeinflussen zu lassen, wenn der Zyklus tatsächlich erst in seiner Mitte ist und das Rezessionsrisiko entsprechend geringl. Zu jeder Zeit gibt es eine lange Liste von Faktoren, über die sich die Investoren Sorgen machen können. Ein Rückblick auf die vergangenen zweieinhalb Jahre zeigt aber, dass diese die Aktienkurse nur wenig, und wenn dann höchstens fünf bis zehn Prozent im Durchschnitt, meist aber überhaupt nicht bewegt haben. Die Kräfte des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Anstieg der Unternehmensgewinne haben alles andere überlagert.

Für Investoren ergibt sich daraus, dass es sinnvoll ist, langfristig auf Aktien zu setzen anstatt zu versuchen, das perfekte Timing für Ein- und Ausstieg zu erwischen. Unsere Analysen zeigen, dass ein Anleger, der es schafft, stets auf dem Hochpunkt vor einem Kurseinbruch zu verkaufen und dann im Zuge der Korrektur wieder einzusteigen, auf eine Rendite von etwa acht Prozent kommt. Wer allerdings diese zeitlichen Optimalpunkte nur um vier Tage verpasst, kommt nur auf drei Prozent. Es braucht also nicht viel, um Vermögenswert zu vernichten. Die Schwierigkeit für die Investoren indes bleibt: Sie müssen tagtäglich in ihrer Anlagepraxis entscheiden, wie gravierend ein bestimmtes Risiko für die Konjunktur- und damit die Aktienkursentwicklung ist. Natürlich sollte keiner der aktuell bestehenden Risikofaktoren ignoriert werden.

Der permanenten Strom von Risiken, die an den Märkten diskutiert werden, sollte trozdem gelassen genommen werden. In einer Phase, in der sich die Wirtschaft in der Mitte ihrer Aufschwungsphase befindet, so dass auch die Gefahr einer Rezession entsprechend gering ist, als zu einem Zeitpunkt, zu dem sich der Konjunkturaufschwung erkennbar seinem Ende zuneigt. Die entscheidende Frage ist immer: Kann ein bestimmter Faktor eine Rezession auslösen oder zumindest das zukünftige Wachstum nachhaltig negativ beeinflussen? Wenn die Antwort “nein” oder “nur wenig” ist, sollten wir unsere Einschätzung, dass wir mitten drin sind im Konjunkturzyklus, beibehalten.

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