Nachhaltig investieren mit ETFs

Anders als in vielen anderen Bereichen der Fonds- und Vermögensverwaltungs-industrie ist der Trend zu nachhaltigen Investments bisher noch nicht wirklich bei Anbietern von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) angekommen. Aktuell scheint sich  dieszu ändern, so werden immer mehr Produkte mit einem auf nachhaltigen Kriterien beruhenden Index als Basiswert auf dem Markt lanciert.

Ob diese ETFs von den Anlegern angenommen werden, bleibt abzuwarten,  denn gerade bei nachhaltigen und/oder ethischen Investitionen spielen die persönlichen Präferenzen der Anleger eine große Rolle. Diese individuellen Wünsche lassen sich aber in der Regel nicht mit breiten Ansätzen, wie dem häufig für die Indexkonstrukton verwendeten „Best-in-Class-Ansatz“ umsetzen, da diese nicht auf individuelle Ansprüche eingehen können und der Begriff der Nachhaltigkeit für viele Investoren hier zu allgemein erfasst wird, wodurch die entsprechenden Produkte, aus deren Sicht, ungeeignet sind.

Wachstumsfeld nachhaltige Investitionen

Da der Trend in Richtung nachhaltiger Kapitalanlagen von immer mehr Investoren adaptiert wird, muss die ETF-Industrie und vor allem die Indexanbieter  nach Wegen suchen, um von diesem Trend profitieren zu können um sich so einen weiteren Wachstumsmarkt  erschließen zu können.

Ein Beispiel für den Einsatz dieser neuen Daten  ist der Kohlendioxidausstoss (CO2-Ausstoss) eines Unternehmens, der von dem Indexanbieter MSCI für die Konstruktion von nachhaltigen Indizes  genutzt wird. Für die Investoren ist dies eine transparente Variante der Indexkonstruktion, denn die CO2-Emission eines Unternehmens haben einen direkten Einfluss auf die Umwelt und können von dem Indexabieter auf Basis eines standardisierten Reportings (UN Global Compact) ermittelt und auf Branchenebene verglichen werden. Zwar gibt es auch an diesem Ansatz verschiedene Kritikpunkte, insbesondere da bei einem solchen Ansatz andere Aspekte der Nachhaltigkeit vernachlässigt werden. Dennoch scheint die Berücksichtigung der Kohlendioxidemissionen aufgrund der Transparenz der Kriterien zur Indexkonstruktion geeignet und von den Investoren  akzeptiert zu sein.

Dementsprechend gibt es mittlerweile nicht nur aktiv gemanagte Fonds, die sich dem Thema Klimawandel, beziehungsweise Climate Change widmen, sondern auch Indizes und entsprechende ETFs, in denen die Titel anhand ihrer CO2 Emissionen gewichtet werden. Die Akzeptanz dieses Ansatzes ist dabei nicht nur mit der Transparenz des Ansatzes zu begründen, es scheint auch so zu sein, das die Investoren das Thema Klimawandel verstehen und sehen, das sie es mit einem CO2-Ansatz ohne großen Aufwand in ihrem Portfolio umsetzen können.

Nachhaltigkeit als Thema für Smart-Beta-ETFs?

Aufgrund der Möglichkeiten, die sich durch die Einbeziehung von nicht bilanziellen Daten in die Gewichtung der Aktien ergeben, bietet sich das Thema Nachhaltigkeit meiner Ansicht nach besonders für die sogenannten Smart-Beta ETFs an. Denn gerade bei diesen Fonds und den entsprechenden Indizes suchen die Produkentwickler immer nach Kennzahlen und anderen Kriterien, mit denen sie einen Index entwickeln können, der im Vergleich zu einem marktkapitalisierungegewichteten Index, einen potentiellen Mehrertrag erzielen könnte. So könnten die Anbieter zum Beispiel die drei Faktoren E (Environmental = Umwelt), S (Social = Soziales) und G (Governance = Unternehmensführung) aus dem sogenannten ESG-Investing als einzelne Kriterien nutzen, um entsprechende Indizes zu kreieren.

Insgesamt erscheint es sinnvoll, dass die ETF-Branche den Megatrend nachhaltige Investments adaptiert. So können die  ETF-Anbieter mit ihren Produkten eine große Zahl von Anlegern schnell erreichen, wenn die angebotenen Fonds deren Vorstellungen entsprechen. Damit könnte die ETF-Industrie den Megatrend Nachhaltigkeit nutzen, um ihr zukünftiges Wachstumspotenzial zu sichern.

Detlef Glow, Leiter der  EMEA Research Abteilung bei Thomson Reuters Lipper 

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

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