Eignen sich Wandelanleihen für alle Anleger?

Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei der Thomson Reuters Firma Lipper analysiert die Vor- und Nachteile von Wandelanleihen für institutionelle und private Anleger. 

Wandelanleihen werden von versierten Vermögensverwaltern gerne genutzt, um mit einem begrenzten Risiko von positiven Trends an den Aktienmärkten zu profitieren. Denn Wandelanleihen sind Portfoliobausteine, die aufgrund ihrer hybriden Stellung zwischen Aktien und festverzinslichen Wertpapieren über positive Eigenschaften verfügen, die gezielt und planbar im Portfolio genutzt werden können, da sie keine Sondereffekte sind. Diese Eigenschaften der einzelnen Wandelanleihen können in der Regel nicht durch den Kauf der entsprechenden Unternehmensanleihen, in Kombination mit einer Option, nachgebildet werden, da Wandelanleihen, aufgrund ihrer rechtlichen Konstruktion, über individuelle Eigenschaften verfügen, die nur bedingt von der Entwicklung an den Aktien- und Rentenmärkten abhängig sind.

Allerdings haben Wandelanleihen, insbesondere für Privatanleger, auch Nachteile. Zum einen begeben nur wenige Unternehmen Wandelanleihen, was die Breite des Marktes einschränkt. Zum anderen haben Wandelanleihen häufig einen hohen Nennwert, wodurch ein Engagement in diesem Bereich eine große Investitionssumme erfordert. Zudem fehlt dem Marktsegment der Wandelanleihen, aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit einzelner Papiere, zum Teil die Liquidität im Handel mit einzelnen Anleihen. Dies bedeutet, dass einzelne Titel keine oder nur eine eingeschränkte Liquidität aufweisen können, obwohl der Markt insgesamt liquide erscheint. Auch ist die Transparenz im Segment der Wandelanleihen nicht sehr hoch, da jede Wandelanleihe mit individuellen Merkmalen ausgestattet sein kann, wodurch die einzelnen Papiere nicht miteinander vergleichbar sind.

Aktieninvestment mit Fallschirm

Wandelanleihen werden von professionellen Investoren häufig als „Aktieninvestment mit Fallschirm“ bezeichnet, da ihr sogenannter Zinsfloor sich stabilisierend auf den Wert der Anleihe auswirkt, während die Option den Besitzer an der Wertentwicklung der Aktie teilhaben lässt. Diese Eigenschaften nehmen dem Investor die Timing-Entscheidung ab. Wie stark die Wandelanleihe von der Wertentwicklung der unterliegenden Aktie profitiert, hängt davon ab, wie weit der Kurs der Aktien über oder unter dem in der Option festgelegten Kaufpreis (im Geld/aus dem Geld) liegt.

Trotz ihrer positiven Eigenschaften gilt auch für Wandelanleihen, das ein Portfolio nicht komplett aus Wandelanleihen bestehen sollte, da diese strukturierten Produkte auch Risiken enthalten. In diesem Zusammenhang sind insbesondere das Kreditrisiko des hinter der Wandelanleihe stehenden Unternehmens und die mit der Option verbundenen Risiken zu nennen. Zudem können Wandelanleihen, aufgrund der Freiheit bei der Ausgestaltung der Anleihe, juristische Risiken enthalten, die bei jeder Wandelanleihe einzeln bewertet werden müssen.

Probleme von institutionellen Investoren…

Insgesamt betrachtet handelt es sich bei Wandelanleihen um komplexe Anlageprodukte, die von Investoren ein hohes Maß an Fachwissen erfordern, um sie erfolgreich in einem Portfolio nutzen zu können. Dies führt, zusammen mit der eingeschränkten Liquidität in diesem Marktsegment dazu, dass Wandelanleihen, trotz ihrer positiven Eigenschaften, nur ein Nischenprodukt sind. Denn die eingeschränkte Verfügbarkeit und die niedrigen Emmissionsvolumen bringen es mit sich, dass für institutionelle Anleger oftmals nicht genug Stücke verfügbar sind, um eine bestimmte Wandelanleihe flächendeckend in ihren Portfolien zu nutzen. Die Kombination von einem hohen Analyseaufwand und einer eingeschränkten Liquidität führt dazu, dass sich viele institutionelle Investoren davor scheuen in Wandelanleihen zu investieren und diese, wenn überhaupt, nur als gezielte Lösung für spezielle Anlageprobleme einsetzen. Zudem haben institutionellen Anleger Schwierigkeiten diese hybriden Instrumente hinsichtlich ihres Risikos zu kategorisieren, denn Wandelanleihen haben sowohl Aktienmarkt- wie auch Zinsrisiken.

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