Muss die Anlagestrategie angepasst werden?

Im Anbetracht des verpatzter Jahresstarts fragen sich viele Investoren zurecht – muss die Anlagestrategie angepasst werden?

Eine gute Kapitalanlage beginnt mit einer sorgfältigen Analyse der individuellen Vermögensverhältnisse und der persönlichen Risikotragfähigkeit des Anlegers.

So soll sichergestellt werden, dass selbst in turbulenten Börsenphasen die unvermeidbaren zeitweiligen Verluste in einem verträglichen Rahmen gehalten werden. Dadurch kann eine erzwungene Liquidierung von Depotpositionen zu ungünstigen Zeitpunkten vermieden werden.

Notverkäufe können emotional oder wirtschaftlich bedingt sein. Einerseits führen heftige Verlustphasen an den Börsen einhergehend mit einer allgemein negativen Nachrichtenlage oftmals dazu, dass Anleger nicht mehr ruhig schlafen können und das verbliebene Kapital in Sicherheit bringen möchten.

In dieser Situation gerät die langfristig positive Perspektive der Aktienanlage aus dem Fokus und die Angst bestimmt das Handeln. Andererseits können die Verluste so groß sein, dass etwa anstehende Verbindlichkeiten, die durch den Depotgegenwert beglichen werden sollten nicht mehr gedeckt sind. Weitere Verluste kann man sich dann nicht erlauben.

Die Basis der Anlagestrategie ist eine grundsätzliche Aufteilung des gesamten Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen (strategische Asset Allocation). Außerdem wird bestimmt, ob die einzelnen Anlageklassen aktiv oder passiv gemanagt werden. Ein aktiver Ansatz sieht vor, innerhalb einer Anlageklasse bei Bedarf gemäß einer vorab festgelegten Strategie (taktische Asset Allocation) Adjustierungen der Positionen vorzunehmen. Demgegenüber werden die bei einem passiven Ansatz erworbenen Wertpapiere zumeist langfristig gehalten ohne zwischenzeitliche Anpassungen vorzunehmen.

Die Art des aktiven Managements wiederum hat Auswirkungen auf die strategische Asset Allocation. Wenn es z.B. gelingt, durch eine Steuerung der Aktienquoten die zeitweiligen Verluste verlässlich und deutlich zu begrenzen, können strukturell höhere Risikopositionen in Kauf genommen werden.

Da Aktien über langfristige Zeiträume betrachtet höhere Renditen abwerfen als Anleihen kann dadurch die erwartete Rendite eines gemischten Portfolios angehoben werden. Gerade angesichts allenthalben gegen Null tendierender Renditen bei verzinslichen Anlagen ist dieser Effekt enorm wichtig.

Sofern die Festlegung der strategischen und taktischen Asset Allocation somit fundiert und alle notwendigen Aspekte berücksichtigend vorgenommen wurde, ist trotz außergewöhnlicher Entwicklungen an den Kapitalmärkten keine Anpassung notwendig.

Mit einem gut auf die persönliche Situation und die individuellen Bedürfnisse aufgestellten Depot kann man mit ruhiger Hand überlegen, ob die einmal eingeschlagene Aufstellung angepasst werden sollte. Adhoc-Reaktionen aufgrund aktueller Marktreaktionen sind nicht notwendig.

Carsten Mumm, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Privatbank 

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