Von Kernen und Satelliten – Der kleine Kosmos der Geldanlage

Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei Thomson Reuters erwägt die Vor- und Nachteile ein Core Satellite Ansatzes.

In meinem letzten Blog „Wie gelingt es dem Anleger ein Vermögen aufzubauen?“ habe ich mich mit den Grundlagen der Kapitalanlage beschäftigt. Doch wie sieht eine sinnvolle Portfolioaufteilung in der Praxis aus? Diese Frage stellen sich viele Investoren, wenn es darum geht Geld an den Kapitalmärkten anzulegen. Grundsätzlich geht es bei dieser Frage im ersten Schritt darum, die der Risikoneigung des Investors entsprechende Balance zwischen den verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Edelmetallen, Renten (festverzinsliche Wertpapiere), Rohstoffen und der Kasse herzustellen. In einem zweiten Schritt gilt es dann um die Aufteilung der zur Verfügung stehenden Summen auf einzelne Portfoliobausteine. Da ein Portfolio immer ausreichend breit gestreut sein sollte, um so die Risiken einzelner Titel zu reduzieren, erscheinen offene Investmentfonds ein geeignetes Anlageinstrument zu sein. Dabei stellt sich die Frage, wie hoch welcher Fonds in dem Portfolio gewichtet werden sollte.

Zwei Produktgruppen

Um diese Frage zu beantworten muss man die zur Verfügung stehenden Produkte in zwei unterschiedliche Gruppen einteilen. Während breit anlegende Fonds, wie zum Beispiel global anlegende Aktien- oder Rentenfonds sowie gemischte Portfolios wie zum Beispiel Multi-Asset-Fonds, als sogenannte Basisinvestments, den Großteil des Portfolios ausmachen sollten, dienen Fonds die beispielsweise in einzelne Themen, Branchen oder Länder investieren als Beimischung zu dem Kernportfolio. Im professionellen Portfoliomanagement wird ein solcher Ansatz als „Core-Satellite-Ansatz“ bezeichnet.

„Core-Satellite-Ansatz“

Bei diesem Ansatz wird aus breit anlegenden Fonds ein sogenanntes Kernportfolio (Core) gebildet, das durch Investitionen in Fonds mit einem speziellen Anlageschwerpunkt wie zum Beispiel den Schwellenländern oder einzelnen Themen wie Technologie oder Unternehmensanleihen ergänzt wird. Da diese Fonds das Kernportfolio wie Satelliten umkreisen, werden sie auch „Satellites – Englisch für Satellit“ genannt. Durch den aktiven Einsatz der Satelliten soll die Rendite des Portfolios erhöht werden. Im Gegensatz zum Kernportfolio, das einen langfristigen Anlagehorizont hat, geht es bei den Satelliten darum, diese opportunistisch einzusetzen und die durch diese Fonds entstehenden zusätzlichen Risiken strikt zu limitieren, um den Anlageerfolg des Portfolios nicht zu gefährden.

 

15-10-14 Kerne und Sateliten

 

Während das Kernportfolio die strategische Ausrichtung und die Risikoneigung des Investors widerspiegelt, werden die Satelliten dazu benutzt, aktive Wetten in einzelnen Bereichen einzugehen, um so von den sich immer wieder bietenden Chancen einzelner Märkte und Marktsegmente profitieren zu können. Um das Risiko dieser Wetten entsprechend der Risikotoleranz des Investors zu begrenzen, müssen diese Portfoliobausteine sehr genau beobachtet und gegebenenfalls sehr schnell wieder verkauft werden. Aufgrund ihrer Transparenz hinsichtlich des Anlageschwerpunktes und der Möglichkeit diese Produkte zeitnah kaufen und verkaufen zu können, erscheinen börsengehandelte Indexfonds, die sogenannten ETFs, für diesen Zweck besonders geeignet zu sein.

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