Worauf sollten Anleger bei Smart-Beta ETFs achten?

Im dritten Teil seiner ETF Serie analysiert Detlef Glow, Leiter der EMEA Research Abteilung bei der Thomson Reuters Firma Lipper, worauf Investoren bei Smart-Beta ETFs achten sollten. 

Mit den sogenannten Smart-Beta-ETFs versuchen Anbieter von börsengehandelten Indexfonds (ETFs) das Beste aus zwei Welten, zum einen  die Flexibilität eines ETF und auf der anderen Seite einen möglichen Mehrertrag im Vergleich zu einem marktkapitalisierungewichteten Index, miteinander zu vereinen.

Doch hinter diesen Produkten, die auf den ersten Blick leicht verständlich erscheinen, steckt häufig ein hochkomplexes Konzept zur Ausbeutung von Anomalien an den Kapitalmärkten. Dementsprechend sind viele dieser Produkte hinsichtlich der Portfoliokonstruktion zum Teil sehr komplex und/oder intransparent. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wider, das Smart-Beta ETFs von Investoren häufig nicht den passiven Anlageprodukten, wie zum Beispiel klassischen ETFs, zugeordnet sind, sondern als semi-aktive Anlageprodukte eingestuft werden.

Dies führt dazu, das Anleger die in Smart-Beta ETFs investieren wollen ihren Fondsanalyseprozess entsprechend anpassen und das jeweilige Konzept so hinterfragen müssen, als wäre der jeweilige Fonds aktiv gemanagt.

Was steckt hinter dem Konzept?

Konkret bedeutet dies, das Investoren unbedingt darauf achten sollten, dass sie das dem Fonds zugrundeliegende Konzept, also die genutzten Faktoren und deren Einsatz, im Detail verstehen, um so beurteilen zu können, wie das Portfolio konstruiert wird und einschätzen zu können, ob und wann der entsprechende Faktor einen Mehrertrag im Vergleich zum Markt liefern kann. Allerdings existieren nicht alle in der (wissenschaftlichen) Kapitalmarktanalyse nachgewiesenen Faktoren auch in der realen Welt, beziehungsweise sind unter der Berücksichtigung von Transaktionskosten nicht profitabel auszubeuten.

Zudem sind einige Ineffizienzen nur temporär im Markt vorhanden. Dementsprechend gilt es bei der Fondsanalyse, hinsichtlich des Konzeptes, die Spreu vom Weizen zu trennen. Hierbei sollten sich Anleger nicht von den Marketingunterlagen der Anbieter blenden lassen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass eine rückgerechnete Wertentwicklung, der sogenannte Backtest, in solchen Darstellungen immer gut aussieht.

Somit ist eine der Kernfragen, die ein Investor stellen sollte, die Frage nach dem Faktor, von dem die gewählte Strategie am meisten profitiert oder anders gefragt: Welche Ineffzienz soll von dem Konzept ausgebeutet werden? Zudem sollten Investoren unbedingt die Frage stellen, ob es sich bei dem jeweiligen Faktor um eine nachhaltig nutzbare Ineffizienz handelt oder ob es sich nur um eine Marktanomalie handelt, die schnell ausgebeutet ist und sich somit als kurzfristiger Trend entpuppt.

Welche Faktoren funktionieren?

Von den vielen in der wissenschaftlichen Literatur beschriebenen Faktoren, die für ein Smart-Beta-Konzept eingesetzt werden können, scheinen nur fünf Faktoren tatsächlich langfristig nutzbar zu sein. Diese Faktoren sind:

  1. der Value-Faktor
  2. der Momentumfaktor
  3. der Liquiditätsfaktor
  4. der Low-Volatility-Faktor und
  5. der Größen-Faktor beziehungsweise „Size-Effect“

Auch wenn theoretisch und praktisch nachgewiesen wurde, das die Berücksichtigung dieser Faktoren bei der Titelgewichtung langfristig dazu führt, das sich ein entsprechendes Portfolio besser entwickelt als der jeweilige Marktindex, funktionieren diese Faktoren nicht in jedem Marktumfeld. Es gibt also Zeiträume, in denen entsprechende Portfolios einen Minderertrag im Vergleich zum Marktindex liefern. Zudem deuten einige wissenschaftliche Studien daraufhin, das die Ausprägung von einigen der oben genannten Faktoren, wie zum Beispiel dem „Size-Effect“, aufgrund deren Ausbeutung durch die Investoren, abzunehmen scheinen, wodurch sich das Renditepotenzial dieser Strategien verringert.

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