Fokus auf Asien – ACM Bernstein’s Volkswirt Anthony Chan diskutiert Machtwechsel in China

Die Entwicklung der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren ist in hohem Maße abhängig von der Politik in Amerika und in China. Auf dem 18. Nationalkongress wurde Xi Jinping zum Präsidenten und Generalsekretärs der Kommunistischen Partei sowie Li Keqiang zum neuen Premierminister ernannt.

Wiederbelebung der Wirtschaft als wichtigste Aufgabe der neuen Regierung
Drängende Aufgaben gibt es viele auf der To-do-Liste der neuen Regierung: die zunehmende Umweltverschmutzung, die immer weiter auseinanderklaffende Einkommensschere, die seit langem veraltete Familienplanung und Haushaltsregistrierung und eine sich abzeichnende Energiekrise sind nur einige der Themen, mit denen Peking sich zukünftig befassen muss.

Aufgrund des langsameren Wirtschaftswachstums und einem Einbruch beim Export werden vor allem die ökonomischen Entscheidungen der neuen Regierung genau beobachtet.

Ein Schlaglicht fällt vor allem auf die zukünftigen Initiativen zur Wiederbelebung der Wirtschaft, die eher im Verantwortungsbereich des Premierministers liegen.

Li Keqiang sieht sich einem abnehmenden Wirtschaftswachstum gegenüber – sollten die aktuellen Maßnahmen versagen, ist sogar ein langfristiger Abschwung möglich.

Durch die relativ lange Übergangsperiode bis zum tatsächlichen Antritt der neuen Regierung im März 2013 geht zudem viel Zeit verloren, sodass viele wirtschaftspolitischen Neuerungen erst ab Herbst 2013 Wirkung zeigen können. Für die gesamte chinesische Wirtschaft erwarten wir in 2013 ein Wachstum von 8,1 Prozent gegenüber 7,7 Prozent in diesem Jahr.

Mit den 7,7 Prozent hatte Chinas Wirtschaftswachstum zum ersten Mal seit 13 Jahren unter der Marke von acht Prozent gelegen.

China hatte in den letzten zehn Jahren unter der Führung von Hu Jintao und Wen Jiabao bereits einige Schritte in Richtung wirtschaftlicher Reformen unternommen.

Die neue Regierung sollte ihren Fokus weiterhin auf die Wirtschaft richten und einem Abschwung konsequent entgegenarbeiten.

Trotz der aktuellen Exportrückgänge erwarten wir von der neuen Regierung jedoch keine wirtschaftlichen Impulse vom gleichen Umfang wie in 2009, sondern eher Reformen auf der Angebotsseite, die auf nachhaltiges Langzeitwachstum und eine Neugewichtung der Wirtschaft abzielen.

Chinas Exporte betrugen im dritten Quartal 2011 noch 20 Prozent, heute liegen sie bei vier bis fünf Prozent.

Um die Binnennachfrage anzukurbeln, hatte der neue Premierminister Li bereits in der Vergangenheit koordinierte Strategien zur industriellen, urbanen und landwirtschaftlichen Modernisierung gefordert. Daher erwarten wir Investitionen in diesen Bereichen – so könnte beispielsweise der Ausbau von städtischen Transportsystemen für die mobilen urbanen Arbeitnehmer auch der Bekämpfung der Luftverschmutzung dienen.

Eine weitere Initiative könnte sich mit den veralteten Regeln zur Haushaltsregistrierung befassen. Diese koppelt den Anspruch chinesischer Familien auf Sozialleistungen oft an deren Wohnort und verhindert damit den Umzug von ganzen Familien in die großen urbanen Zentren.

 

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