Maarten-Jan Bakkum von ING IM diskutiert Chancen und Risiken in Brasilien

Brasilien ist eines derjenigen Schwellenländer, die in den vergangenen zehn Jahren besonders stark vom kräftigen Anstieg der Anlageinvestitionen in China profitiert haben.

Wegen der hohen chinesischen Nachfrage nach Eisenerz und Sojaprodukten legten Brasiliens Exporte in den Jahren 2001 bis 2011 im Durchschnitt um über 20% zu.

Dank dieser guten Exportentwicklung konnten auch die Importe rasch ansteigen, ohne dass sich der Zahlungsbilanzsaldo ernsthaft verschlechterte. Und aufgrund der günstigen Terms of Trade, die auf den langjährigen Anstieg der Rohstoffpreise zurückzuführen waren, wertete die Währung auf und es wurde mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends gerechnet. Dies löste kräftige Portfoliozuflüsse aus.

Da Chinas Nachfrage nach Rohstoffen in den kommenden Quartalen und Jahren langsamer ansteigen dürfte, verschlechtert sich das Umfeld für Brasiliens Wirtschaft.

Der seit 2002 zu spürende Rückenwind flaut ab. Dies hat beträchtliche Auswirkungen auf das Wachstum, die Kapitalflüsse und den Wechselkurs.

Wenn die Regierung weiterhin zögert, Strukturreformen umzusetzen, dürfte sich das Wachstum in einem ungünstigeren globalen Umfeld abschwächen. Auch die ausländischen Kapitalzuflüsse dürften sinken, und der Real dürfte abwerten. Diese strategische Prognose stellt allerdings auf einen längeren Zeitraum ab. Kurz- bis mittelfristig sind die Wachstumsaussichten nicht so ungünstig. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt, die Inflationsraten und das Zinsniveau sind dabei die entscheidenden Faktoren.

In den vergangenen Jahren war der Konsum der privaten Haushalte, der einen Anteil von 64% am BIP hat, der wichtigste Wachstumsmotor. Das Wachstum wird durch die Beschäftigung sowie das Lohn- und Kreditwachstum weiterhin gut gestützt.

Am Arbeitsmarkt bestehen weiterhin Engpässe. Außerdem hat die Regierung die Entwicklung durch eine Anhebung der Mindestlöhne um 14% in diesem Jahr noch angeheizt. Daher ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Wachstum des privaten Konsums in den kommenden Quartalen merklich verlangsamt.

 

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