Ein Risikomanager – vor allem

Achim Backhaus verantwortet bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers die Fondsauswahl und managt mehrere Dachfonds. Er spricht mit InvestmentEurope.

Herr Backhaus, was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Ergebnisse der Finanzkrise?

Die Subprime-Krise 2008 hat die Theorie der Behavioral Finance gestärkt. Der klassische Ansatz der modernen Kapitalmarkttheorie dagegen wurde geschwächt.

Vor allem stehen die Prämissen der modernen Portfoliotheorie, dass Renditen eines Portfolios einer gemeinsamen Normalverteilung folgen und korrelationen im Zeitablauf konstant bleiben, in der Kritik. Damit einhergehend müssen bewährte methoden der Diversifizierung und statische, Asset Allokation Konzepte neu beurteilt werden.

2011 hat uns gezeigt, dass es an den Kapitalmärkten keinen risikolosen Zinssatz gibt, der ist aber essenziell für viele Denkansätze. Akademische Theorien, die nicht in der Lage sind, das dynamische Anlegerverhalten mit ­einzubeziehen, haben stark an Bedeutung verloren.

Natürlich ist Diversifikation weiterhin ein wichtiger Baustein, aber wir müssen auch das emotionale Verhalten der Marktteilnehmer mit in unsere Entscheidungen ­einbeziehen, um “Fat Tails” zu vermeiden. Viele alte Maßstäbe gelten nicht mehr.

Was passiert, wenn der Kunde dennoch alte Maßstäbe nutzt?

Die Beratung, wie wir sie bei Hauck & Aufhäuser leben, ist ein ganzheitliches Konzept. Wir sprechen mit dem Kunden über seine gesamten Vermögenswerte und bauen quasi seine Gedanken in das Portfolio ein. Unser xZiel ist, jedem Kunden ein individuelles portfolio zu geben, mit dem er in jeder Marktphase auch ruhig schlafen kann.

Warum gibt es unsere Bank seit 216 jahren? Weil sie ein gutes Rsikomanagement und einen dynamischen ­Asset Allokation-Prozess hat.

Haben Sie seit der Krise nach anderen Fondsstrategien gesucht?

Auf unserer Empfehlungsliste stehen Fonds für jedes Marktszenario. Ich habe Absolute Return Fonds genauso wie Emerging Markets Aktien. Die Finanzmärkte sind volatil, im Moment ist die Unsicherheit hoch, und ich sehe keinen Königsweg. Wir sind daher undogmatisch und denken in Szenarien, versehen diese mit Wahrscheinlichkeiten und positionieren uns dementsprechend. Sollte ein Kunde allerdings unsere Szenarien nicht teilen, Respektieren wir das. Dann sind wir auch in der Lage, ein Portfolio ganz nach seinen Anforderungen zu stricken. .

Einige Vermögensverwalter haben das Ziel, Kundengeld in den kommenden Jahren schlicht zu erhalten. Was halten Sie davon?

Ich würde einem Kunden nie sagen: “Bis zu einem bestimmten Datum werde ich Ihr Kapital erhalten,” denn jeder Kunde hat andere Vermögensquellen – Aktien, ­Immobilien, Firmen, usw. – dementsprechend ­unterschiedlich sind die damit verbundenen Risiken.

Wenn ein Kunde in den nächsten Jahren einen starken Inflationsanstieg befürchtet, dann werden wir für ihn eine individuelle Scorecard mit verschiedenen Risiko- und Inflationsindikatoren erstellen. Der Kunde weiß, dass wir für ihn das Umfeld permanent im Blick haben und sein Portfolio entsprechend danach ausrichten können.

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