LGIM: Europäische Aktien laufen US-Titeln den Rang ab  

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Lars Kreckel, globaler Aktienstratege bei Legal & General Investment Management (LGIM) sieht Europas Konzerne als Hauptprofiteure des niedrigen Ölpreises und des schwachen Euro.

Obwohl die konjunkturellen Aussichten für viele Länder der Eurozone weiterhin verhalten sind, bieten europäische Aktien in den kommenden Monaten vergleichsweise bessere Anlagechancen als US-Titel. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des britischen Asset-Managers Legal & General Investment Management (LGIM) in ihrem aktuellen Ausblick. Es gibt derzeit eine Reihe temporärer und zyklischer Faktoren, deren Zusammenspiel sich vor allem für Europa günstig auswirkt. Daher haben wir unsere Übergewichtung europäischer Aktien gegenüber nordamerikanischen weiter ausgebaut.

Ein Grund ist, dass die Kurse in Europa Rückenwind bekommen: die Wechselkursverschiebungen in den vergangenen Monaten. Während der US-Dollar 2014 um etwa 20 Prozent aufgewertet ist, hat der Euro auf handelsgewichteter Basis um über zehn Prozent an Wert verloren. Eine Abwertung des Euro um zehn Prozent lässt die Gewinne der EuroStoxx-Unternehmen um etwa 3,5 Prozent steigen, während eine Dollaraufwertung in gleicher Höhe die Gewinne der S&P500-Konzerne um etwa zwei Prozent schmälert. Allerdings dürfte ein Großteil dieses Effektes bereits in den Kursen eingepreist sein.

Für positive Überraschungen könnte dagegen der anhaltend niedrige Ölpreis sorgen. Es gibt keine historische Vergleichssituation für einen derart starken angebotsgetriebenen Rückgang des Ölpreises in so kurzer Zeit. Insofern haben wir kaum Erfahrungswerte, wie sich dies auf die Unternehmensgewinne auswirken wird. Dennoch sind wir überzeugt davon, dass europäische Konzerne per saldo stärker davon profitieren werden als die US-Firmen. Dazu kommen die günstigeren Finanzierungsbedingungen in Europa, nachdem die Renditen diesseits und jenseits des Atlantiks in den vergangenen Wochen auseinander gegangen sind.

Dies hat insgesamt zwar nur einen geringen Einfluss, aber wir haben eine positive Korrelation zwischen den Renditen von Unternehmensanleihen und den Zinsaufwendungen im Verhältnis zu den Umsätzen ein Jahr später beobachtet. Auch von dieser Seite aus bekommen die Unternehmensgewinne in Europa also Unterstützung.

Gestützt wird diese Entwicklung durch das Auseinanderdriften der Geldpolitik in Europa und den USA, wo die Fed nach Einschätzung der LGIM-Experten ab etwa Mitte des Jahres anfangen wird, schrittweise die Zinsen anzuheben. Alles in allem stehen die Chancen also gut dafür, dass die Unternehmensgewinne in Europa erstmals seit der Finanzkrise stärker steigen als die in den USA – und dies sollte sich auch in der relativen Performance der Aktienkurse zeigen. Diese Aussage gilt vor dem Hintergrund, dass es immer noch erhebliche mittelfristiger Risiken in der Eurozone gibt. So sind unsere Erwartungen hinsichtlich des Wachstums dort und einer Lösung der Schuldenkrise nach wie vor sehr verhalten.

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